Unsere Vereinsgeschichte

Über uns

Die Landjugend Geismar wurde 1948 von 9 Jugendlichen des Dorfes gegründet und ist damit die älteste Landjugend Hessens. Die anfängliche Gruppenarbeit stand hauptsächlich unter landwirtschaftlichen Aspekt. Es wurden Besichtigungen und Fahrten veranstaltet und mit den allmählich im ganzen Bundesgebiet entstandenen Partnergruppen überregionale Veranstaltungen organisiert und besucht, zum Beispiel Rinderschauen, Kälberaufzuchtswettbewerbe oder landwirtschaftliche Fortbildungsseminare. Aber auch schon in den frühen Jahren gestaltete die Landjugendgruppe das kulturelle Leben des Dorfes mit und veranstaltete u. A. Dorfabende.

Ende der 60er Jahre kam es zu strukturellen Veränderungen; auch das Land wurde mehr und mehr industrialisiert, und gleichzeitig gaben immer mehr Leute die Landwirtschaft auf und gingen anderswo arbeiten. Damit nahm auch das Interesse der Jugend an der Landwirtschaft ab. In dieser Zeit kam aber der kriegsblinde Kannenberg nach Geismar. Sein Ziel war es, altes Brauchtum zu erhalten und so fing er mit der Landjugend an, alte Volkstänze einzuüben. Diese wurden und werden bei öffentlichen und dörflichen Veranstaltungen, Festzügen, Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten vorgeführt. Seither treffen sich die Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe einmal wöchentlich zu einem Übungsabend, wo für Auftritte geprobt wird oder neue Tänze einstudiert werden. Unser Repertoire bereichern wir regelmäßig bei Seminaren und Fortbildungen.

Zu den Volkstänzen gehören auch die Trachten, die bis ins 19. Jahrhundert immer und zu allen Gelegenheiten getragen und dann nach und nach durch moderne Kleidung verdrängt wurde. Die Geismarer Tracht vereinigt Elemente der Battenberger und der Marburger evangelischen Werktagstracht:
Die Mädchen tragen über einer weißen Bluse ein schwarzes, ärmelloses Mieder, das sehr eng sitzt und ursprünglich vorne zugehakt wurde. Es ist auf der Vorderseite mit fingerbreiten, ebenfalls schwarzen Samtbändern verziert. Dazu gehört ein dunkelblauer Rock, der früher aus Beiderwand ( einem Mischgewebe aus Wolle und einem leinenähnlichen Stoff, der aus tragefreundlicher Baumwolle gemacht wird. Er hat einen üppigen Faltenwurf und zusätzlich waagerechte Falten, die früher mit dem Wachsen der Mädchen nach und nach herausgelassen wurden. Parallel dazu verlaufen ebenfalls schwarze Samtbänder und eine Besenlitze am Saum. Auf dem Rock liegt eine weiße, mit blauen Blumenornamenten bedruckte Schürze. Mit kleinen, hellblauen Streublumen bedruckt ist das Halstuch, das - dreieckig geschnitten - auf die Schultern gelegt und vorne mit einer Brosche geschlossen wird. Als Kopfschmuck tragen die Mädchen ein weißes Käppchen, das weit am Hinterkopf sitzt und unter dem Kinn gebunden wird. Es ist mit Perlen, meist mit schwarzer Schleife, die in langen Bändern ausläuft, verziert. Ursprünglich wurden zu den langen weißen Kniestrümpfen hohe Schnürschuhe getragen, die jedoch durch leichte Tanzschuhe ersetzt wurden. Die Männertracht besteht aus einer schwarzen Kniebundhose, die durch weiße, wollene Kniestrümpfe ergänzt wird, und aus einem weißen Hemd. Über dem Hemd wird der bekannte "Hessenkittel" getragen. Dieser Kittel ist aus blau gefärbten Leinen, weit ausfallend aber kurz geschnitten und vorne geschlossen, so dass der über den Kopf gezogen werden muss. Er ist an den Schultern und an der Halsöffnung mit schwarzer und weißer Stickerei verziert, die von Dorf zu Dorf variieren. Um den Hals trägt der Mann ein rotes Tuch, auf dem Kopf die sogenannte "Strumpfbetzel". Sie erhielt ihren Namen, weil sie ähnlich wie ein Strumpf gestrickt wird. Die Betzel ist blau-weiß gemustert und hat die Form einer Zipfelmütze die seitlich am Kopf herunterhängt, so dass die Quaste an der Spitze auf der Schulter liegt.

Eine große Erntekrone prägt außerdem das Bild unserer Gruppe: An einem Metallgerüst werden nach alter Überlieferung getrocknete Hafer- und Weizenbündelbefestigt. Zu Festen werden lange rote und weiße Bänder daran gehängt. Jedes Jahr wird zum Erntedankfest der Bändertanz unter dieser Krone getanzt. Die Mitgliederzahl beträgt heute 230 Personen, davon entfallen 90 Mitglieder auf die 1988 gegründete Kindertanzgruppe. Ca 40 im Alter von 14 bis 30 Jahren sind aktive Tänzerinnen und Tänzer. Die heutige Landjugend ist ein sehr junger Verein, das Durchschnittsalter im Vorstand liegt bei 19 Jahren. Diese Tatsache ist aber nichts Nachteiliges, da sich die Landjugend auch gegenüber anderen Vereinen gut behaupten kann und einer der aktivsten des internationalen Volksfest, an dem neben zahlreichen deutschen auf befreundete Gruppen aus Estland, Frankreich, Mazedonien, Polen, Österreich und Dänemark teilnehmen. Der Besuch der Europeade ist einer der jährlichen Höhepunkte im Vereinsleben. Neben Volkstanz und Brauchtumspflege beteiligt sich die Landjugend auch an gemeinnützigen , regionalen und bundesweiten Aktionen, so dass auch der soziale Aspekt in unserer Vereinsarbeit nicht zu kurz kommt.

seit Mai 2014

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